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Ein Hauch pfälzisch im Weißen Haus

Mitte des 18. Jahrhunderts, in der Zeit der Hungersnöte in Europa, suchte ein gewisser Christian Gutknecht, der während seiner Kindheit vermutlich ein Spielgefährte von Herzog Christian IV. war, mit seiner Frau Maria Magdalena das Glück in der Neuen Welt und ließ sich in Germantown bei Philadelphia nieder.

Wie so viele Menschen aus dem damaligen Herzogtum Pfalz-Zweibrücken sei Gutknecht 1749 ausgewandert, erklärt Roland Paul vom Institut für pfälzische Geschichte in Kaiserslautern. „Über den Rhein ging es nach Rotterdam und von dort mit dem Schiff nach Amerika.“ Paul hat diese Daten in der Auswandererkartei seines Instituts gefunden.

Christian Gutknecht stammte demnach aus dem Örtchen Bischweiler (heute: Bischwiller) im Elsass. „Das Herzogtum Zweibrücken hatte einen großen Streubesitz, unter anderem auch auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs“, erklärt der Historiker. Neben ihm haben sich auch Forscher im Elsass und den USA mit den nach Deutschland reichenden Wurzeln dieser Familie befasst.

In Bischweiler befand sich eine kleine Residenz von Herzog Christian III. von Pfalz-Zweibrücken, wo auch sein Sohn Christian IV. sehr volksnah aufwuchs.

Nach mehrmonatiger Reise über den Atlantik ging Gutknecht 1749 in Amerika von Bord. Das Schiff trug zufälligerweise den gleichen Vornamen wie der Auswanderer: „Christian“. In Amerika angekommen, musste er umgehend den Eid auf die britische Krone leisten.

Außerdem wurde der Name Gutknecht ins Englische übersetzt, sodass das Pfälzer Landeskind fortan „Goodknight“ hieß, wobei „knight“ eigentlich Ritter oder Edelmann bedeutet und doch ein wenig entfernt war von dem ursprünglichen „Knecht“. Weil es vom Klang des Namens kaum zu unterscheiden war, wurde mit der Zeit aus Goodknight ein „Goodnight“.

Nach Erkenntnissen Pauls lebte der Auswanderer bis zu seinem Tod 1795 in Germantown, der ersten deutschen Siedlung in Amerika.

Germantown ist heute ein Teil von Philadelphia und wurde 1683 von deutschen Auswanderern gegründet – unter ihnen Franz Daniel Pastorius aus Würzburg und 13 Familien aus Krefeld. In der Umgebung von Philadelphia wird auch heute noch „Pennsylvania Dutch“ gesprochen, eine Variante des Pfälzischen mit englischen Einflüssen.

Mehr als 200 Jahre nach der Auswanderung der Gutknechts kam Barack Obama am 4. August 1961 als Urenkel von Christian und Maria Magdalena in Honolulu / Hawaii zur Welt. Im Jahre 2009 zog dieser als 44. Präsident der USA ins Weiße Haus in Washington ein.

Die Amerikanische Revolution zwischen 1775 und 1783 und die daraus resultierende Unabhängigkeitserklärung hatten Christian und Maria Magdalena Gutknecht während ihren letzten Lebensjahren auch noch mitbekommen. Sicherlich auch, dass das aus ihrer alten Heimat stammende „Régiment d’infanterie Royal Deux-Ponts“ (frz. Infanterieregiment Königlich Zweibrücken) in der Schlacht um Yorktown, die als „die deutsche Schlacht“ in die Geschichtsbücher einging, erfolgreich gegen die Engländer siegte, wodurch der amerikanischen Unabhängigkeit nichts mehr im Wege stand. Dieser Sieg ebnete ihrem Urenkel Barack den Weg zum mächtigsten Mann der Welt zu werden.

 BarackObama