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Zweibrücken von 1170 bis heute

Gründung der Stadt als Wasserburg im Wiesental des Erbach zum Schutz der Kaufmannszüge auf der Salzstrasse. Zur Burg führte eine Doppelbrücke, daher der lateinische Name „Bipontinum“. Erste urkundliche Erwähnung 1170.

1352 Verleihung der Markt- und Stadtrechte.

1385 verkauft Eberhard, der letzte selbständige Graf von Zweibrücken, Burg und Stadt an Ruprecht I. von der Pfalz aus dem Hause Wittelsbach.

1410 entsteht das selbständige wittelsbachische Herzogtum Pfalz-Zweibrücken unter Herzog Stephan I. Damit wird Zweibrücken zur Heimat des „Königszweiges“ der Wittelsbacher. Es folgt ein rasanter kultureller und politischer Aufschwung des Fürstentums. Die Herzöge errichten basierend auf der Handschriftensammlung aus der Klosterbibliothek der alten Benediktinerabtei Hornbach durch rege Sammlertätigkeit eine prächtige Fürsten- und Kameralbibliothek, die zeitweise als eine der größten der Welt gilt.

Ab 1488 sind die ersten Drucker in Zweibrücken urkundlich nachweisbar, der bekannteste unter ihnen ist Jörg Gessner (Inkunabeln). Der Zweibrücker Botaniker Hieronymus Bock gibt in deutscher Sprache sein „Kräuterbuch“ heraus und beschreibt darin unter anderem die Braukräuter (Bock-Bier).

Als eines der ersten Territorialfürstentümer bekennt sich Pfalz-Zweibrücken zum Protestantismus. Ab 1523 wirkt Johannes Schwebel als Reformator für Pfalz-Zweibrücken (eigene Kirchenordnung).

Im 30-jährigen Krieg wird die wohlbefestigte Stadt von protestantischen schwedischen Truppen unter dem Kommando des Oberst von Rosen verteidigt, schließlich nach Abzug der Schweden 1635 vollständig zerstört, verwüstet und entvölkert (1. Komplette Zerstörung).

Wiederaufbau der Stadt am alten Ort. 1681 bis 1697 wurde die Stadt als Folge der Reunionskriege von französischen Truppen besetzt (1. Franzosenzeit).

1697 wurden die Zweibrücker Herzöge durch Erbfall Könige von Schweden. Der schwedische Statthalter Graf Oxenstierna forciert den Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Schwedische Baumeister gestalten die Stadt im Stil des „nordischen Barock“. Der Zweibrücker Herzog und Schwedische König Karl XII. gewährt dem gewählten, aber vertriebenen Polenkönig Stanislaus Leszczynski in seinem Herzogtum Asyl und ernennt ihn zum „Herzog in Stellvertretung“. Die Bevölkerung liebt „ihren König“, der unter anderem sein „Lustschloss Tschifflik“ am Stadtrand anlegen lässt. (Heute bedeutendes barockes Gartendenkmal, Symbol für traditionelle Deutsch/Polnisch/Schwedische Freundschaft).

1718/1719 übernimmt wieder ein Wittelsbacher die Regierung im Fürstentum. Stanislaus Leszczynski wird Herzog von Lothringen und Schwiegervater des französischen Königs. Herzog Gustav Samuel Leopold lässt 1720 vom schwedischen Baumeister Sundahl das Residenzschloss im Herzen der Stadt errichten (heute Sitz des pfälzischen Oberlandesgerichtes).

Die Zeit von 1740 bis 1775 gilt als Blütezeit des barocken Zweibrückens: Es regiert Herzog Christian IV. als fortschrittlicher und moderner Fürst. Sein Herzogtum umfasst weite Teile des heutigen Rheinland-Pfalz und des Elsass. Als Herr über französische und deutsche Territorien versteht er sich als europäischer Herrscher. Er unterhält enge Beziehungen zum französischen Hof und in Paris zu den Enzyklopädisten, sowie zu den meisten „großen Geistern“ seiner Zeit. Durch eine Lotterie finanziert er die Neubauten der „Herzog Vorstadt“ (dieses Ensemble wurde später von Sven Hedin als der harmonischste Platz Europas bezeichnet). Er gründet mehrere Manufakturen zur Hebung des Wohlstandes der Bevölkerung. An seinem Hof wirken bedeutende Musiker und bildende Künstler (mehrere Uraufführungen der Werke von Gluck in Zweibrücken). In den geheimen Laboratorien des Herzogs werden auch Experimente zur Herstellung des Steins der Weisen vorgenommen. (Die Rezepturen liegen noch in der ehemaligen Fürstenbibliothek, der „Bibliotheca Bipontina“, sind jedoch verschlüsselt und bis heute nicht enträtselt.) Als „Abfallprodukt der Goldmacherei“ entsteht das Zweibrücker Porzellan. Aufgrund der nur kurz andauernden Produktionsphase Zweibrücker Porzellans und der entsprechend geringen bekannten Stückzahl von nur ca. 400, gilt Zweibrücker Porzellan unter Sammlern als eines der teuersten überhaupt.

Um einen weiteren „Export-Artikel“ für sein Herzogtum zu gewinnen, gründet Herzog Christian IV. 1755 das Zweibrücker Gestüt. Seit dieser Zeit wird hier der „Zweibrücker“ gezüchtet. (Das Zuchtgebiet für den „Zweibrücker“ umfasst heute Rheinland-Pfalz und das Saarland, sowie Teile Südhessens. 150 Zweibrücker Hengste wurden 1783 an Friedrich den Großen verkauft und bilden den Ursprung der preußischen Zucht in Trakennen, nach 1945 fanden geflüchtete Trakenner wieder eine Heimat in Zweibrücken. Der „Zweibrücker“, früher ein wertvolles Kavalleriepferd, ist heute ein international gefragtes Sportpferd für Dressur, Springen und Vielseitigkeit. „Zweibrücker“ finden sich sogar unter den Siegerpferden bei den Olympischen Spiele.)

Herzog Karl II. August von Zweibrücken ist wegen des Mangels an legitimen Nachfahren seiner Onkel der potentielle Erbe aller wittelsbachischen Fürstentümer (Kurpfalz und Bayern). Um seine künftige Bedeutung zu unterstreichen, baut er in der Zweibrücker Schwesterstadt Homburg ein repräsentatives Schloss. Dieses Schloss war größer als das französische Königsschloss in Versailles und hatte eine Frontlinie über 1000 Meter. Der herzogliche „Direktor der Schönen Künste“, Christian von Mannlich, konnte durch geschickte Einkaufspolitik eine bewundernswerte Gemäldesammlung für dieses Schloss anlegen. Der Schlossbau regt die wirtschaftliche Entwicklung im Herzogtum an. Die Finanzierung erfolgt durch „Subsidienzahlungen“ unterschiedlicher Staaten, die sich dadurch das Wohlwollen des wichtigsten Wittelsbachers sichern wollen.

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg greift das Zweibrücker Freiwilligenregiment „Royal Deux Ponts“ auf der Seite der „Rebellenstaaten“ ein. Nach der Eroberung Yorktowns 1781 durch das Zweibrücker Regiment werden die englischen Truppen zur Kapitulation gezwungen. (Da die USA daher ihre Unabhängigkeit der Stadt Zweibrücken verdankt, ist Yorktown die US-amerikanische Partnerstadt von Zweibrücken.)

1793 erobern französische Revolutionstruppen Zweibrücken, errichten in der Stadt den Freiheitsbaum und stecken das herzogliche Residenzschloss in Homburg in Brand. Das Schloss brennt bis
auf die Grundmauern nieder. Seine Steine dienen später wieder als Baumaterial. Dem Herzog gelingt im letzten Augenblick eine abenteuerliche Flucht und der Galeriedirektor Mannlich rettet die erlesenen Kunstwerke der Gemäldesammlung, die er dann in München als Grundstock für die Errichtung der späteren „alten Pinakothek“ nutzt.

Im Jahre 1801 wird im Frieden von Lunéville Zweibrücken zusammen mit der übrigen linksrheinischen Pfalz Frankreich zugesprochen (2. Franzosenzeit).

Der Zweibrücker Herzog Maximilian wird nach dem erwarteten Aussterben der kurfürstlichen Linie des Hauses Wittelsbach und dem Tod seines Onkels Karl II. August Kurfürst in München. Napoleon ernennt ihn zum König von Bayern. Der französische Kaiser schätzt auch die Zweibrücker Pferderasse. Er erhebt das herzogliche Gestüt zum „Harras imperiale premier classe“. In allen Schlachten reitet er einen Zweibrücker Hengst, welchen er bei seiner Verbannung nach Elba dem Gestüt als Deckhengst überlässt. (Bei Waterloo ritt Napoleon keinen Zweibrücker – die Folgen sind bekannt.)

Durch die territorialen Regelungen des Wiener Kongresses wird Zweibrücken 1816 Teil der bayrischen Rheinprovinz. König Maximilian I., der Gute, bestimmt Zweibrücken zum Sitz des königlich bayrischen Appelationsgerichtshofes (Tradition bis heute im pfälzischen Oberlandesgericht erhalten). König Maximilian I. ist der Großvater der Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi) und ihres Mannes Franz-Josef und Urgroßvater des „Märchenkönigs“ Ludwig II. Bei seinem Besuch in Zweibrücken lobt Goethe die Schönheit der hier beheimateten Frauen und betont wie sehr man in dieser Stadt den französischen Einfluss spürt.

1821 findet in Zweibrücken das erste Pferderennen in Deutschland statt. (Austragungsort ist die „Rennwiese“, auf der bis heute der pfälzische Rennverein Pferderennen veranstaltet.)

Am 29. Januar 1832 wird in Zweibrücken auf Initiative von P.J. Siebenpfeiffer, J.G.A. Wirth und Friedrich Schüler der "Deutsche Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse" gegründet. Zweibrücker Demokraten organisieren das Hambacher Fest. Heinrich Heine bezeichnet Zweibrücken als „die Wiege der Deutschen Demokratie“.

Christian Dingler erfindet 1834 die Kniehebelpresse und gründet die Dinglersche Maschinenfabrik (heute Terex-Demag).

1839 beginnt die industrielle Revolution in Zweibrücken durch Betrieb der ersten Dampfmaschine.

1857 erfolgt der Anschluss Zweibrückens an das Eisenbahnnetz (Bahnstrecke Homburg/Zweibrücken).

1867 erfindet Wilhelm Bauer in Zweibrücken das U-Boot. Der Patentantrag Bauers für eine „Petrolium-Gas-Dampfmaschine“ (später Dieselmotor) wird vom Patentamt wegen offensichtlicher Unrealisierbarkeit zurückgewiesen.

In Anwesenheit von Prinzessin Hildegard von Bayern wird 1914 der Zweibrücker Rosengarten eingeweiht (heute neben Landgestüt und Oberlandesgericht drittes „Stolzobjekt“ der Stadt).

Im ersten Weltkrieg ist Zweibrücken Frontstadt und von 1918 bis 1930 französisch besetzt (3. Franzosenzeit).

Im zweiten Weltkrieg wird Zweibrücken 1939 evakuiert und in der Nacht zum 14. März 1945 vollständig zerstört. (Zweibrücken gilt als die Stadt mit der höchsten Zerstörungsquote auf dem Gebiet des ehemaligen deutschen Reiches, US-amerikanische Zeitungen schrieben „diese Stadt hat aufgehört zu existieren“.) Die gesamte Stadt war ein einziges Trümmerfeld, das barocke alte Zweibrücken vernichtet, selbst die Wasserläufe durch die Stadt hatten einen neuen Verlauf. Es wurde sogar die Frage diskutiert, ob die Stadt überhaupt wieder aufgebaut werden soll (2. komplette Zerstörung).

Ab 1945 wird Zweibrücken ca. 1,5 Meter über seinem alten Niveau auf den Trümmern der alten Barockstadt wiederaufgebaut. Durch die Abtrennung des Saargebietes und später des Saarlandes verläuft zwischen Zweibrücken und der Schwesterstadt Homburg eine Staatsgrenze, zeitweise sogar mit Zollstation (Blütezeit des Schmuggels).

Durch die Gründung des Landes Rheinland-Pfalz 1946 erfolgt die Loslösung Zweibrückens von Bayern. (Bis heute ist jedoch die Alexanderskirche in Zweibrücken eine der offiziellen Grablegen des Hauses Wittelsbach.) Ende der fünfziger Jahre leben wieder über 30.000 Einwohner in der Stadt. Wegen der Priorität des Wohnungsbaus können jedoch nur wenige historische Gebäude wiederaufgebaut werden.

1956 wird mit dem Einzug der Bundeswehr Zweibrücken zur Vier-Garnisonen-Stadt: Französische Garnison 1945-1977, Kanadische Garnison 1953-1969, US-amerikanische Garnison 1952-1993. (Neben Berlin einzige Vier-Garnisonen-Stadt in Deutschland.) Mit über 10.000 US-Soldaten und Familienangehörigen ist Zweibrücken schon fast eine typische US-amerikanische Kleinstadt. Die Amerikaner sind direkt und indirekt der größte Arbeitgeber dieser Stadt.

1965 ist das herzogliche Schloss nach historischen Plänen wiedererrichtet und wird Sitz des pfälzischen Oberlandesgerichtes.

1993 verliert die Stadt durch den Abzug der amerikanischen Streitkräfte knapp ein Drittel der Bevölkerung und einen erheblichen Teil der bisher hier wirksamen Kaufkraft. Ein Fünftel der Stadtfläche, die bisher militärisch genutzt war, liegt praktisch über Nacht brach. Die Konversionskonferenz der UNO bezeichnet Zweibrücken als weltweit größten Konversionsfall. Die rheinland-pfälzische Landesregierung erklärt Zweibrücken zum „Modellprojekt“ Konversion. Das Modellprojekt setzt sich aus den Teilen Fachhochschule, Drei-Säulen-Konzept auf dem Flugplatz und Innenstadt zusammen.

Die Fachhochschule in Zweibrücken wird 1994 auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne der US-Army auf dem Zweibrücker Kreuzberg mit zukunftsweisenden Fachrichtungen eröffnet. Im Jahr 2007 studieren hier ca. 2000 Studenten an der „University of Applied Sciences“ in mehreren technischen und betriebswirtschaftlichen Studiengängen (z.B. Mikrosystemtechnik, Life Sciences, Medieninformatik, Angewandte Informatik, Mittelstandsökonomie, Finanzdienstleistungen, technische BWL und Wirtschafts-Ingenieurwesen). Die Studiengänge werden als Bachelor- und Master-Studiengänge angeboten. Der Campus der Hochschule und die Lehrmethoden orientieren sich an US-amerikanischen Vorbildern. Enge Kontakte mit der Industrie in der Region und in ganz Deutschland, sowie bemerkenswerte Existenzgründungen aus der Hochschule heraus, die sich positiv auf die Arbeitsmarktsituation der Stadt und das Steueraufkommen auswirken, belegen den nachhaltigen Erfolg dieses Konversionsmodells. Zweibrücken ist zum Hochtechnologie-Standort geworden. Das Drei-Säulen-Konzept auf dem Flugplatz umfasst den Flugbetrieb, den Mulitmedia-Internet-Park (MIP) und die Designer Outlets Zweibrücken (DOZ).

2008 gingen vom Flughafen Zweibrücken Linienflüge in begehrte touristische Regionen sowie in die Landeshauptstädte Berlin und London ab. Der MIP ist die Heimat wichtiger Unternehmen im Bereich der neuen Medien (z.B. von international tätigen Unternehmen wie 1&1).

Das DOZ (heute „The Style Outlets“) kann 2010 den 4. und letzten Bauabschnitt vollenden. Als einziges „lupenreines“ und größtes Fabrikverkaufszentrum Deutschlands zieht es knapp zwei Millionen Besucher aus ganz Deutschland nach Zweibrücken, vier Prozent davon verbinden einen Besuch im DOZ mit einem Einkaufsbummel durch die Innenstadt, deren Attraktivität 2007 durch die Eröffnung des „City-Outlets“ weiter gesteigert wurde. Weitere Bausteine zur Steigerung der Besucherfrequenz der Innenstadt werden die in den kommenden Jahren geplante Neugestaltung der Fußgängerzone und die Einrichtung eines „Business Improvement Districts“ am Alexanderplatz sein.

Zweibrücken ist heute nach wie vor eine europäische weltoffene Stadt mit jährlich steigenden Besucher- und Übernachtungszahlen. Sie gilt als die „mediterranste Stadt“ in Rheinland-Pfalz. Wegen der guten Zusammenarbeit mit der Schwesterstadt Homburg in allen Bereichen der Touristik und Kultur und in zahlreichen administrativen Bereichen (Wohnungsbaugesellschaft, Regionalplanung, Feuerwehr, Stadtwerke) bildet Zweibrücken ein funktionierendes Scharnier zwischen den Ländern Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Bevölkerung ist wieder auf ca. 39.000 Einwohner angewachsen. Die konversionsbedingte Arbeitslosigkeit fällt deutlich. Zweibrücken ist eine Stadt im Strukturwandel mit einer rundum positiven Entwicklung.

© 2011 Helmut Reichling