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Ein Ixheimer erfand eines der bis zur heutigen Zeit wichtigsten Navigationsgeräte.


Am 3. Oktober 1872 wurde in Zweibrücken/Ixheim einer der bedeutendsten deutschen Wissenschaftler und Erfinder geboren.
Hermann (Franz Joseph Hubertus Maria) Anschütz, Sohn eines Mathematik- und Physikprofessors der Königlich Bayerischen Gewerbeschule in Zweibrücken, begann nach seiner Schulzeit ein Medizinstudium in München und Innsbruck. Nach einiger Zeit brach er dieses ab und entschied sich für ein Studium in Kunstgeschichte.
In Salzburg lernte der zukünftige Dr. phil. in art (einem Doktor der Philosophie in den Künsten) während seiner Studienzeit den österreichischen Kunsthistoriker Kaempfe kennen. Bei gemeinsamen Reisen nach Italien und Griechenland wurde Hermann Anschütz in die Kunstwelt der Antike eingeführt. Nach dem Tod des Vaters von Hermann Anschütz adoptierte Kaempfe seinen Schützling, der von nun an Hermann Anschütz-Kaempfe hieß. Er setzte ihn als Erben seines umfangreichen Vermögens ein, mit der Auflage einen Teil des Geldes in Wissenschaft und Forschung zu investieren. Wenige Jahre später verstarb auch der Adoptivvater.
Auf Forschungsreisen in einem U-Boot unter dem Eis des Nordpols versagten aufgrund der Stahlkonstruktion des Unterwasserschiffs die bis dahin üblichen Magnetkompasse. Anschütz machte sich Gedanken, wie dieses Problem gelöst werden könnte. Er greift eine Idee des franz. Physikers Foucault auf: Die Magnetnadeln durch einen sich schnell drehenden Kreisel der sich selbstständig und unabhängig von magnetischen Einflüssen parallel zur Erdachse einstellt, zu ersetzen. Zuhause in seiner Münchner Wohnung funktionierte er seinen Billardtisch zur Werkbank um, worauf er seine ersten Versuchsobjekte baute. Anschließend wurden diese im Schwimmbad und dem Starnberger See mit Erfolg getestet. Eine Münchner Optikerwerkstatt baute ein erstes Modell des neuartigen Kreiselkompasses nach Hermann Anschütz-Kaempfe’s Konstruktionsplänen. Nach Fertigstellung wurde dieses erste Kreiselkompassmodell auf einem Hafendampfer getestet.
Weitere Modelle wurden hergestellt und kurze Zeit später entstand auch der etwas zuverlässigere Mehrkreiselkompass, der auf einem Panzerkreuzer der Kaiserlichen Marine sowie dem deutschen Linienschiff SMS Deutschland eingesetzt wurde.
Auch im Bereich der Luftfahrt kam dieses Modell zum Einsatz!
Der Mehrkreiselkompass funktionierte wie von seinem Konstrukteur gewünscht. Er
entwickelte sein anfängliches Modell allerdings noch weiter zum Kugelkompass. Dieser Kompasstyp wurde unter anderem bei der Geradführung von Bohrlöchern im Bergbau sowie bei der Überprüfung der Gleiskrümmung im Eisenbahnwesen eingesetzt.
Hermann Anschütz-Kaempfe ließ in Kiel eine Produktionsstätte errichten. Von dort aus gingen seine Kompasse rund um die Welt.
Der anschließend entwickelte Dreikreiselkompass geht auf die Zusammenarbeit mit seinem Vetter Maximilian Schuler, der ebenfalls aus Zweibrücken stammte, zurück.
Es galt damals und gilt heute noch immer als ein Wunder der Wissenschaftsgeschichte, dass es einem weder mathematisch noch physikalisch geschulten Menschen gelang, diese Kompasstypen zu entwickeln!
Während eines gerichtlichen Patentstreits, den Hermann Anschütz-Kaempfe gegen einen Amerikaner gewann, lernte er Albert Einstein kennen, der vom Gericht als Gutachter eingesetzt wurde. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich mit der Zeit eine intensive Freundschaft. Einstein gab bei den Weiterentwicklungen immer wieder hilfreiche Hinweise, die Hermann Anschütz-Kaempfe umsetzte. Am 6. Mai 1931 starb er in München. Nach seinem Tod ging der millionenschwere Besitz an die Dr. Anschütz-Kaempfe-Stiftung für Physik, Chemie und Naturwissenschaften über.

 

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